Außerdem konnte ich mich nun nicht mal mehr auf meinen ach sooooo romantischen Philosophen verlassen, bei dem ich mich wohlfühlte und so sein konnte wie ich war. Denn er hatte sich urplötzlich „aus dem Staub gemacht“ oder nennen wir es mal so: er verlangte nach nicht mal 1 Monate Beziehung „mehr Freirraum“ (ohne mir das natürlich persönlich zu sagen). Anstatt dessen erhielt ich wieder seine dümmlichen sms (die ich nun gar nicht mehr romantisch sondern nur noch nervig fand):
"Ich kann die Gefühle für dich nicht in Worte fassen. Du bist mehr als ich verdiene.“ (wow, ich dachte dass ein Multinationaler Konzern – in dem er seine Ausbildung machte – seine Mitarbeiter besser entlohnt aber gut, da hab ich mich wohl geirrt)
oder etwa “Ich bin unwürdig an deiner Seite weilen zu dürfen.“
(tja: tatsächlich wäre es SEHR schön, WENN du denn mal an „meiner Seite weilen“ würdest... das hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt echten Seltenheitswert)
Aber der ungekrönte König der wörtlichen Ergüsse meines – nicht mehr ganz so treuen – Gefährten war:
"Welch großartige Ereignisse in meinem früheren Dasein ließen mir die Ehre deiner Anwesenheit im Hier und jetzt zu Teil werden?“
(und ich persönlich zweifelte langsam wirklich an meinem Verstand und fragte mich: Lieber Gott, was hab ICH VERBROCHEN, dass ich ausgerechnet an DICH geraten bin??? WAS?? Und blickte dabei hilfesuchend in den Himmel.)
Die Zeit verging dann doch schneller als ich dachte... was vor allem an Natalie und ihren aufbauenden Worten – betreffend des Lernnazis aber auch betreffend meines kiffenden Philosophen Alexander – lag und ich hatte es tatsächlich geschafft die Endjahresprüfung in Mathematik auf ne glatte 2 zu machen (wie ich das geschafft habe ist bis mir bis heute ein Rätsel und gehört wohl zu den ungelösten Rätseln dieser Welt... „Akte X“ lässt grüßen J ). Zur Feier des Tages – und um mich auf andere Gedanken zu bringen – lud ich „meine Mädels“ zu einem spontanen „Schule ist aus – JUHUUU-Cocktail“ ein. Leider gab es – in der Provinz die ich als mein Zuhause bezeichne – nicht viele Möglichkeiten und so entschieden wir uns für ein Lokal welches auch gleichzeitig ein Billiardelokal war. Dort angekommen traute ich meinen Augen nicht. Da stand mein lieber „Herr Freund aka >>Would-like-to-be-Legolas<<“ mit einer dürren, brünetten Barbiepuppe die dümmlich vor sich hingrinste weil Reden wohl ihre geistigen Kapazitäten überschreiten würde und himmelte ihn – MEINEN FREUND – an als wäre er das beste Geschenk das Mami und Papi ihr jemals gemacht hätten. Ich kannte sie nicht, aber im Grunde war mir auch egal wer sie war. Die Körpersprache der beiden verriet eindeutig wie sie zueinander standen. Während mein Gesicht alle Farben annahm: weiß wie die Wand vor Entsetzten, grün weil mir beim Anblick dieser hässlichen Kuh schlecht wurde und schließlich knallrot vor Zorn schmiedete ich schnell einen Plan. Doch just in dem Moment als ich loslegen wollte taucht noch jemand andres mit drei randvoll gefüllten Gläsern am Billiardetisch auf, eine Art zweiter Legolas, nur hübscher, kerniger, männlicher ....
... als er meinen wütenden, ungläubigen Blick spürte (und das muss er wohl, denn er konnte mich nicht sehen weil er mit dem Rücken zu mir stand) drehte er sich langsam um und war seinerseits entsetzt.
Wie eine wild gewordene Furie... ja beinahe... ein Monster raffte ich all meine psychischen und physischen Kapazitäten zusammen und ging in Richtung des Billiardetisches wo es gleich ein Gemetzel geben sollte (verbal versteht sich natürlich). Ich tobte und wollte soeben Alexander klein anblaffen als mir ein kleines Detail auffiel: wer von beiden war denn eigentlich „meeeeeiiiin Schaaaaaaaatz“??? Die beiden waren von dieser Frage – die ich ihnen stellte – vermutlich genauso überrascht wie ich von der Tatsache dass es sie wirklich gab: die „Testversion“ des Legolas und die „1.1. verbesserte, sympathischere und kernigere Version“ davon. Wobei ich mich fragte was so schwer daran: sie müssten doch eigentlich wissen wer nun wer war (Alexander und Mario)? Als ich keine Antwort bekam schrie ich nur laut: „Ihr seid doch total kranke Arschlöcher die nie eine Frau abbekommen werdet weil ihr dafür nicht gut genug bestückt seid.“ Wütend stampfte ich – unter den belustigten Blicken meiner Freundinnen – davon und raste die Treppe runter raus aus dem Lokal. Hinter mir hörte ich jemanden schreien: „July warte, das ist nicht so wie du denkst. Es tut mir so leid. Ich wollte das nicht. Er hat mich erpresst.“ Verwundert drehte ich mich um und sah Mario, den Zwillingsbruder von Alexander, wie sich nach 2 Std. Gesprächen und etlichen Cocktails herausstellte. Dieses Schwein (Alexander) hat seinem Bruder eine größere Summe Geld geliehen. Dieser (Mario) konnte es nicht sofort zurückzahlen und wollte nicht dass die Eltern etwas erfahren. Dann hat Alexander mich kennen gelernt. Als der „Reiz des Neuen“ vorbei war hat mein lieber „Herr Freund“ beschlossen mich noch nicht abzuschießen: man weiß ja schließlich nie was nachkommt. Anstatt dessen hat er Mario damit erpresst den Eltern alles über dieses leidige Geldthema zu verraten wenn er nicht mitspielte. Er sollte sich „um mich kümmern“ so lange der feine Herr Linuxius nicht sicher war was er genau mit mir machen sollte. Mario fand mich von Anfang an sympathisch, hatte aber ein schlechtes Gewissen und immer wieder mal so Andeutungen gemacht die ich erst aber jetzt verstand („Du kennst mich nicht wirklich so wie du denkst“ oder „Du solltest mal den REST meiner Familie kennenlernen“ ...wobei das in meinen Ohren immer eher wie eine Drohung der Mafia klang). Ich war jedenfalls froh dass es aus und vorbei war. Dieses Buch wurde für immer geschlossen! Alexander habe ich seither nie wieder gesehen und darüber bin ich sehr dankbar. Mit Mario hingegen verbindet mich auch noch heute eine gute Freundschaft... obwohl ich mich trotz allem immer noch frage: wie oft hab ich ihn und nicht Alexander geküsst ohne es zu merken?


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