Zurück in der Idylle meiner Kleinstadtprovinz konnte ich es kaum erwarten Natalie zu sehen. Ich platze beinahe vor Aufregung ihr von meinem „Fang“ zu berichten. DAS ist er! Genauso so soll ein Mann sein (dachte sich mein naives 16-jähriges Ich, aus der Provinz, das von Männern genauso viel Ahnung hat wie ein Eisbär von Urlauben unter Palmen auf Hawaii): gefühlsbetont (naja wobei: Möchtegernphilosoph = irgendwie an Realitätsverlust leidend ??) und aufmerksam (oder lag seine Ruhe eher an dem Zeugs das er rauchte?), hübsch (im Nachhinein betrachtet: ein „Would-like-to-be-Legolas“ = irgendwie krank?), sympathisch (gut wenn man kaum redet kann man sich auch schwer Feinde machen) aber alles in allem: „Mein Schatz“ den ich mit nichts und niemandem teilen wollte.... (siehe: „Gollum“ aus „Herr der Ringe“).
„Wohin wird uns das führen?“
(na in Richtung Beziehung möchte ich doch mal stark hoffen) oder etwa
“Ich fühle meinen fehlenden Teil zurückkehren!“
(ok...mir war offensichtlich nicht bewusst dass an dir etwas fehlt, da muss ich beim nächsten Mal gründlicher hinschauen)...
„Sind wir die einzigen die Leben?“
(der kommt wohl wirklich nicht viel raus aus seiner Wohnung, nein es gibt auch noch Menschen außerhalb deiner 4 Wände...).
Trotz allem: etwas an ihm zog mich an, wie die sprichwörtliche "Motte das Licht". Ich zählte die Tage bis zum nächsten Wochenende und dann war es plötzlich so weit. Ich aß in der Schnellbahn in Richtung Wien. JUHUUUU! Dort endlich angekommen hat er mich dann gleich mal ordentlich...
...versetzt! Ich kam mir vor wie bestellt und nicht abgeholt...Es ist doch unfassbar. Was glaubte er denn wer er war? Ich war stinksauer. Nach 63 – mehr oder weniger „freundlichen“ Nachrichten auf seiner Mailbox und 50 weiteren „säuerlichen“ sms, die ich IHM schickte, war es mir zu blöd. Das war doch wirklich nicht zu viel rechzeitig abzusagen! Scheiss bekiffte Philosophen! Nur logisch dass ich ihn anrief und sms tippte. Ich meine ich stalkte ihn ja schließlich nicht (konnte ich ja auch in diesem Moment nicht, da ich nicht wusste wo er wohnte). Mal ehrlich: 63 Mal anzurufen liegt doch bitteschön wirklich im Rahmen des „normalen“ dachte ich.... dass ich mich da irrte sollte ich auch noch lernen. Ich beschloss zu gehen und mir einen schönen Sommernachmittag in Wien zu machen.
Just in diesem Moment taucht er auf! Doch etwas war anders, ich konnte es nur nicht in Worte fassen! Wie ein Wachhund hefteten sich meine Augen auf ihn... ich konnte nicht sagen was es war bis er in meiner unmittelbaren Nähe stand.... er hatte seine „Informatikerbrille“ gegen Kontaktlinsen getauscht, seine „Leogolasmähne“ war auch verschwunden und seine Gesichtszüge wirkten irgendwie.... kantinger. Kurzum er war irgendwie.... hübscher als beim letzten Mal als ich ihn sah! Komisch, dass man sich so gar nicht an jemand erinnern kann dachte ich mir und ahnte dabei noch nicht wie ich mich da noch irren sollte. Der Abend verlief unspannend....Musik, viel Alkohol (natürlich Whisky, wenn schon besoffen dann ordentlich), jugendhaftes „Geknutsche“ bei gejaulter Musik der 60er Jahre bis ich schließlich – vollkommen dicht – von meiner Mutter in Wien abgeholt wurde. Mein Anblick brachte sie spontan zum Lachen...
...kein Wunder: wieder mal machte ich einem Mitglied der Simpsons alle Ehre... dieses Mal Barney Gumble, dem notorischen Trinker. Der Abend ist nicht ganz so gelaufen wie ich mir das „erträumt“ hatte, dafür hat sich „mein Schatz“ plötzlich in die „1.1. Version – die upgedatete, schönere Version des Vorgängermodells, verwandelt. Hat auch was für sich. Was Natalie wohl dazu sagen würde? Doch zunächst musste ich mich wichtigeren Dingen widmen: der Schule, denn zugegeben: ich war wohl kaum das was man als Streber bezeichnen würde.


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